Die schlüsselfertige Lieferung einer Fertigungslinie für ein Automobilwerk in Mittel- und Osteuropa stand unter außergewöhnlich hohem Preisdruck: Das ursprüngliche Szenario ging von einem Verlust von 5 % aus. Am Ende erwirtschaftete das Projekt einen Gewinn von 7 %. Erik Menke, der den Auftrag gemeinsam mit seinem Team leitete, erläutert, wie diese Trendwende gelang.
Ausgangslage
Auftraggeber war das Produktionswerk eines Automobilkonzerns, das Nutzfahrzeuge und Komponenten für die globalen Märkte fertigt. Mit mehr als 11.000 Beschäftigten, einer Jahreskapazität von rund 300.000 Fahrzeugen und etwa 4,5 Millionen Gussteilen erfordert ein Betrieb dieser Größenordnung äußerst stabile Prozesse, präzise Planung und die konsequente Einhaltung der Konzernstandards.
In diesem Umfeld sollte eine Fertigungslinie für ein Karosseriebauteil mit einem Auftragwert Auftragswert von rund 2 Millionen Euro realisiert werden. Das Projekt umfasste das gesamte Engineering, die Herstellung der Anlagen, die Koordination der Unterlieferanten, die Installation direkt im Kundenwerk sowie die Überführung der Linie in den Serienbetrieb.
Vom Risiko zum Gewinn
Das größte Risiko lag in der Wirtschaftlichkeit des Auftrags: ein minimaler Margenspielraum, kombiniert mit hoher technischer und organisatorischer Komplexität sowie der Abhängigkeit von Preisen und Terminen der Unterlieferanten. Jede nicht erfasste Änderung des Leistungsumfangs konnte Budget und Terminplan ins Minus drücken.
Das Projektteam verschlankte daher die Organisationsstruktur, definierte Verantwortlichkeiten präziser, überprüfte die Lieferkette und etablierte ein systematisches Claim-Management. Jede zusätzliche Anforderung und jede Abweichung vom ursprünglichen Leistungsumfang wurden sofort hinsichtlich Kosten und Zeit bewertet und in die vertraglichen Regelungen überführt. Das Ergebnis: 7 % Gewinn – bei vollständiger Einhaltung der geforderten Qualität und der Kundenstandards.
Frage an den Projektmanager
Erik, welche konkrete Entscheidung hat Ihrer Ansicht nach am stärksten dazu beigetragen, den ursprünglich erwarteten Verlust in einen Gewinn zu verwandeln?
Es war kein Wunder, sondern das Ergebnis eines konsequenten Risikomanagements vom ersten Tag an. Den Unterschied zwischen dem geplanten Verlust und dem tatsächlichen Gewinn machte nicht eine einzelne Entscheidung aus. Entscheidend war vielmehr, dass wir die Organisationsstruktur verschlankten, Verantwortlichkeiten eindeutig zuordneten, Risiken täglich systematisch bewerteten und auf jede Änderung des Leistungsumfangs sofort reagierten. Es hat sich gezeigt, dass konsequentes Claim-Management und eine strenge Steuerung der Lieferkette selbst einen scheinbar verlustbringenden Auftrag in die Gewinnzone führen können – ohne Kompromisse bei Qualität oder Liefertermin.
Das Projekt in Zahlen
Projekttyp: Schlüsselfertige Produktionslinie
Auftragswert: ca. 2 Millionen Euro
Endergebnis : Gewinn 7 %
Projektdauer: 15 Monate
Werksgröße: über 11.000 Mitarbeiter
Jährliche Kapazität: ca. 300.000 Fahrzeuge
Jährliche Produktion: ca. 4,5 Millionen Gussteile