Wie lassen sich technische Innovation und internationale Expansion erfolgreich miteinander verbinden? Die Erfahrung von Jiří Kabát liefert darauf eine überzeugende Antwort. Als Vertriebs- und Projektmanager spielte er eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Entwicklung und Einführung des innovativen Produkts „Low-Cost-Door“ in einem international tätigen Unternehmen, das auf Türsysteme für Schienenfahrzeuge spezialisiert ist. Das Projekt schloss nicht nur eine strategische Produktlücke im U-Bahn-Segment, sondern trug zugleich zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen dem tschechischen und dem österreichischen Team bei. Welche Hürden waren dabei zu überwinden, und mit welchen Strategien gelang es, das Projekt erfolgreich umzusetzen?


Jiří, was war der Hauptimpuls für die Entwicklung des Projekts Low-Cost-Door?
Das Unternehmen verfügte über eine sehr starke Position im Bereich Hochgeschwindigkeitszüge, Regionalverkehr und Straßenbahnen. Gerade im U-Bahn-Segment fehlte uns jedoch ein wettbewerbsfähiges Produkt. Das war eine strategische Schwachstelle, die uns daran hinderte, neue Märkte erfolgreich zu erschließen. Genau daraus entstand der zentrale Impuls: eine Türlösung für U-Bahn-Fahrzeuge zu entwickeln, die sowohl preislich als auch technisch ausgewogen und wettbewerbsfähig ist.

Was war das Ziel des Projekts?
Die Hauptaufgabe bestand darin, eine kostengünstige Variante einer Sandwich-Tür zu entwickeln, die auf verfügbaren Komponenten und effizienten Fertigungsprozessen basiert. Damit sollte das Unternehmen in die Lage versetzt werden, bei Ausschreibungen im U-Bahn-Segment erfolgreich und wettbewerbsfähig anzubieten.

Wie sind Sie gemeinsam mit dem Team an die technische Lösung herangegangen?
Gemeinsam mit den Kollegen im tschechischen Werk haben wir nach einer möglichst wirtschaftlichen Kombination aus verfügbaren Komponenten und Fertigungsverfahren gesucht. Ich selbst habe mich mit zentralen technischen Fragestellungen befasst: Welche Türstärke ist optimal? Welche Rohprofile sollen eingesetzt werden? Welches Füllmaterial ist geeignet? Soll die Verglasung verklebt oder eingesetzt werden? Es ging dabei nicht nur um die Konstruktion. Jede Lösung musste technisch verifiziert und anschließend in Arbeitsabläufe, Kalkulationen und die technische Dokumentation überführt werden.

Mit welchen Herausforderungen mussten Sie sich auseinandersetzen?
Die größte Herausforderung waren eindeutig die zwischenmenschlichen und organisatorischen Beziehungen. Durch die Verlagerung der Produktion von Österreich in die Tschechische Republik konnte das Unternehmen zwar seine Fertigungskosten optimieren, die räumliche und prozessuale Trennung brachte jedoch auch Nachteile mit sich. Neben der Entfernung von mehreren hundert Kilometern zwischen Zentrale und Produktionsstandort spielte insbesondere die Sprachbarriere zwischen den neuen Kollegen eine wichtige Rolle. Sie erwies sich vor allem bei der detaillierten Klärung kritischer Themen als problematisch. Hinzu kam eine über Jahre gewachsene Rivalität zwischen der österreichischen und der tschechischen Seite. Außerdem gab es zu Beginn ein gewisses Misstrauen im tschechischen Team. Ich kam aus der österreichischen Zentrale in das tschechische Werk und wurde zunächst als „jemand von außen“ wahrgenommen. Ich musste mir das Vertrauen der Kollegen erarbeiten und zeigen, dass mein Ansatz einen konkreten Mehrwert bietet. Gleichzeitig übernahm ich zwischen den beiden internationalen Teams eine vermittelnde Rolle.

Wie sah das Ergebnis des Projekts aus?

Es gelang mir, ein vollständiges Konzept einschließlich Zeichnungen, Konstruktionsvorschlägen und Kostenkalkulationen zu erstellen. Obwohl wir das Zielbudget knapp verfehlten, konnte ich die Unternehmensleitung davon überzeugen, dass die vorgeschlagene Lösung unter den gegebenen Rahmenbedingungen maximal effizient war. Das Projekt wurde genehmigt und unmittelbar in neuen Angeboten eingesetzt. Heute kommt das Konzept – mit kleineren Modifikationen – sowohl in Kleinserien- als auch in Großserienprojekten zum Einsatz. Für mich zählt dieses Projekt zu den Höhepunkten meiner bisherigen beruflichen Laufbahn..